Einführung mit Brezeln
selbst spielen, selbst erleben
Im Klangtunnel: Bass-Tamburana extrem
Klangreise mit Bass-Tamburana: ein durchschlagender Erfolg!
Expertinnen im Austausch
Klangbaum: von Skepsis…
…über Annäherung…
…zum Versinken
Klare Worte erwünscht: wie gut sind unsere Ideen?
Kürzlich hatten wir 4 erfahrene Berliner Musiktherapeutinnen zu Gast um unsere aktuellen Neuheiten und zukünftige Ideen zu diskutieren. Wir probierten aus, tauschten uns aus, und diskutierten, welche Ideen zu Instrumenten, Varianten oder Zubehör die Musiktherapie bereichern, oder was lieber noch ein wenig reifen sollte.
Intensive dreieinhalb Stunden an einem Donnerstag Abend: herzlichen Dank an Dörte Lange, Sabine Antony, Judith Höfler und Saskia Baumgart, dass ihr euch eingelassen habt, für euer großes Interesse, eure Ausdauer und vor allem: eure Ehrlichkeit!
Tamburana
Erster Programmpunkt war die neue Tamburana. Deren erste Version war zum Zeitpunkt des Test zwar schon erhältlich, aber noch nicht die Ausführungen in B-Stimmung und als Bass-Tamburana in G. Konzipiert ist die Tamburana als vielseitiges Instrument um mit Klangteppich und einfachen Melodien Klangreisen durchzuführen, also als rein akustisches Instrument, eher für eine Gruppe. Hier zeigten sich unsere Testerinnen sehr begeistert. Spannend wieder die unterschiedliche Wirkung von D- und B-Tambura („fröhlich“ vs. „tiefgründig“), trotz der nur geringen Verschiebung der absoluten Tonhöhe.
Die große Frage: wie können die Melodiesaiten in einem strengeren, therapeutischen Setting eingesetzt werden? Insbesondere die kleine Selbsterfahrung unter dem Instrument mit hohen Bogenfüßen bewerteten die Testerinnen als „überraschend intensiv“. Schnell war deutlich, dass das Melodiespiel zwar eine weitere Komponente für die Resonanz mit dem Klienten bietet, aber auch wohl dosiert sein möchte. Das Melodiespiel animiert zu musikalischer Performance, die möglicherweise die Verbindung zur bespielten Person etwas aus dem Fokus geraten lassen könnte. Saskia berichtet von ihrer Erfahrung, da sie seit einigen Wochen mit der Tamburana in Psychiatrie und Hospiz arbeitet: die Melodiesaiten versetzen sie in die Lage – hauptsächlich mit einzelnen Tönen oder repetitiven Mustern – den Kontakt und die Wirkung deutlich zu intensivieren.
Durch die Melodiesaiten ist das Saitenfeld für den klassischen Tambura-Klang kleiner geworden. Gibt es praktische Auswirkungen für eine reine Klangbehandlung? Ja, beim Streichen ist jetzt ein „Zielen“ erforderlich, so dass nicht aus Versehen Melodiesaiten angeschlagen werden. Und ja: der Klangteppich einer Tambura mit allen 28 Saiten klingt etwas voller und lebendiger.
Insgesamt sind sich die Testerinnen einig: sowohl die interessanten Klangreisen auf nur einem Instrument als auch die erweiterete Möglichkeiten in der Einzelbehandlung machen die Tamburana zu einer klaren Bereicherung in der musiktherapeutischen Anwendung. Wie immer sind ein wenig Eingewöhnung und (Selbst-)erfahrung nötig und hilfreich.
Wandhalterung
Braucht die Welt der Tambura-Spielenden die am Anfang des Jahres eingeführte Tambura-Wandhalterung? Klar, so ein Praxisraum ist voll mit Instrumenten, die halbwegs ordentlich und sicher verstaut sein wollen. Und doch zugänglich und zum Spiel auffordern. Insofern sahen alle die Wandhalterung als wertvolles, optionales Zubehör an. Wir probierten aus und sprachen über die praktische Handhabung mit den Schraubgriffen und auch die optische Erscheinung. Prädikat: absolut „praxistauglich“!
Klangbaum
Und dann trugen wir es hinein, dieses „Kanu“. Was steht hier auf einmal so mächtig mitten im Raum? Puh, sehr präsent, diese…Skulptur? Aha, man kann sich prima dahinter verstecken! Soll man sich da ranstellen, gar anlehnen? Soll man diese Saiten streichen? Etwa für sich selbst?
Der Prototyp unseres neuen Instruments – Arbeitstitel: Klangbaum – wurde sehr skeptisch beäugt. Und noch skeptischer kommentiert: „das könnt ihr in eine Flughafen-Halle stellen, oder an den Bahnhof“. Dann, langsam, eine Annäherung: wie fühlt es sich an, diesen Stamm zu umarmen? Wie klingt es? Was spüre ich? Aha, für all diese unterschiedlichen Physiognomien brauchen wir eine größere Standfläche, sonst ist bequemes Anlehnen nicht möglich. Oha, der Klang polarisiert: manch eine ist begeistert von der Klangfülle. Anderen ist selbst zartes Spiel schon zu eindringlich. Die Vibration an der Lehnfläche könnte stärker spürbar sein, zumal das Selbstspielen ablenkt und die Sensitivität reduziert. Einzelne probieren nur kurz aus und springen wieder weg, andere bleiben auffällig lange stehen und „fühlen sich geborgen“.
Viel gelobt: das Erscheinungsbild. Imposante Dimensionen, ausgewogene Komposition, wertige Anmutung. Aber was macht man jetzt mit dem Klangbaum? Ja, eindeutig, eine Erlebnis-Skulptur für den (halb-)öffentlichen Raum. Aber im therapeutischen Kontext?
Und auf einmal: vielleicht was für Menschen im Autismus-Spektrum? Gerade hier: Aufrechterhaltung der Kontrolle durch Selbstspielen. Dosierung nach Gefallen. Selbstwirksamkeit und Selbstregulierung erfahren. Könnte ein offenes Angebot in Spezial-Kliniken sein. Und für Personen mit ADHS! Oder mit Körperwahrnehmungsstörungen! Oder Körperschemastörungen! Spannend, aus großer Skepsis wird Zuversicht. Gar Begeisterung.
Resumée
Nicht alle Reaktionen waren die erhofften. Für uns also äußerst wertvolle Hinweise für ein zu verbesserndes Konzept, Produktdetails, Anwendung oder Kommunikation. Die meisten Reaktionen zeigten uns jedoch, dass wir die richtigen Dinge tun. Und auf die richtige Art. Herzlichen Dank an alle Beteiligten für diesen aufschlussreichen Abgleich mit der Wirklichkeit der musiktherapeutischen Praxis!
Für den Klangbaum werden wir in den nächsten Wochen einen ausreichend großen und resonierenden Sockel bauen. Und das Ganze demnächst (10.10.26) bei der Fachtagung Musiktherapie der UdK vorstellen. Und mit passenden Einrichtungen vereinbaren, dass sie ihren Klienten den Klangbaum für einige Zeit anbieten und Erfahrungen sammeln. Und dann darüber berichten.










